Die Bereiche medizinischer und nicht-medizinischer Anwendungen voneinander abgrenzen und unterscheiden zu können, ist eine Grundvoraussetzung der gesamten Fachkunde.

Das Modul beschäftigt sich mit der klaren Abgrenzung von nicht-medizinischen Anwendungen hin zu medizinischen Anwendungen. Im Bereich rund um die Behandlung der Haut und deren Anhangsgebilden sind die Grenzen zwischen medizinischen und nicht-medizinischen Anwendungen teilweise nicht klar ersichtlich. Daher wird in diesem Kurs klar definiert, wo die Abgrenzungen liegen.

Werden im kosmetischen Bereich Anwendungen zur Verfügung gestellt, müssen die möglichen Erfolge sowie die Risiken dem Kunden gegenüber deutlich aufgezeigt werden. Zudem gibt es klar gesetzliche Vorgaben dazu, dass medizinische Anwendungen nur von Personen durchgeführt werden dürfen, die auch die Kompetenzen dazu erworben haben.

Umso wichtiger ist es für KosmetikerInnen erkennen zu können, welche der Anwendungen als medizinisch oder nicht-medizinisch eingestuft werden.

1.   Die Geschichte der Kosmetik

Immer häufiger fallen die Bezeichnungen „medizinische Kosmetik“, „cosmezeutische Kosmetik“, „apparative Kosmetik“ oder „dermatologische Kosmetik“. Aber was bedeuten diese verschiedenen Ausdrücke und was steckt dahinter?

Der Mensch hatte schon immer das Bedürfnis nach Schönheit und der kreativen Gestaltung des Körpers. Schon aus Funden der prähistorischen Zeit lässt sich schließen, dass sich Frauen mit Henna angemalt und mit Knochenstücken geschmückt haben. Im alten Ägypten gab es sogar einen regelrechten Schönheitskult. Dazu gehörte körperliche Reinheit, Reinigung und Mundhygiene.

Diese Rituale wurden auf den medizinischen Papyri festgehalten und galten als Vorbeugung oder Behandlung von Hautkrankheiten und Faltenbildung.

Heute wie damals ist Schönheit je nach Kulturkreis und Religion anders bewertet und beeinflusst. Heutzutage spielen auch die sozialen Medien eine große Rolle bei dieser Beurteilung.

Seit den 80er-Jahren breitet sich die apparative Kosmetik immer weiter aus und gewinnt Zuspruch und Interesse – Sowohl beim Fachpersonal als auch bei der Kundschaft.

Die NiSV bringt nun eine gesetzliche Regelung in diese junge Sparte der Kosmetik, in der bisher noch nicht viel geregelt war. Daher ist dieser Fachkundenachweis sehr zu würdigen, denn er bringt nicht nur dir Sicherheit und das Fachwissen, die gebraucht werden, um KundInnen kompetent zu behandeln, sondern auch den KundInnen die Sicherheit, dass die Behandelnden das nötige Wissen aufweisen.

2.   Tätigkeitsbereiche

Die Definition des Berufes „KosmetikerIn“ lautet auf www.berufe-lexikon.de folgendermaßen:

„Der Kosmetiker/die Kosmetikerin berät Kunden zur Körper- und Schönheitspflege und führt kosmetische Behandlungen durch. Auch die Pflege der Nägel zählt zu den Aufgaben einer KosmetikerIn.“

 

Wie kann der Alltag als KosmetikerIn aussehen?

Das Aufgabenspektrum der KosmetikerIn ist sehr vielfältig und die Abgrenzung zwischen kosmetischen und medizinischen Behandlungen ist zum Teil sehr schwierig zu setzen.

Zu den alltäglichen Aufgaben gehören unter anderem:

  • Gesichts- und Körperhautbehandlungen
  • Fachinformationen bzw. Aufklärung über Produkte und Inhaltsstoffe
  • Nageldesign
  • Wimpernverschönerung
  • Visagistik
  • Massagen
  • Permanent-Make-up

 

Die Grenzen als KosmetikerIn

Wie man sieht handelt es sich bei der Kosmetik um ein breites Arbeitspektrum. Dennoch gibt es drei klare Grenzen, die die KosmetikerIn nicht überschreiten darf:

  1. Diagnose von Krankheiten
  2. Das Verletzen der Integrität der Haut
  3. Behandlung von Haut- und Nagelkrankheiten

 

Eine Grauzone sind pathologische Hautbilder wie die Akne-Haut. Hier kann eine kosmetische Nachsorge bzw. Begleitbehandlung zu der medizinischen Behandlung sinnvoll sein.

3.   Kosmetik

Medizinische Kosmetik

Es gibt keine offiziellen und festgesetzten Definitionen der Ausdrücke „medizinische Kosmetik“, „dermatologische Kosmetik“ oder „cosmezeutische Kosmetik”. Alle diese Begriffe wollen aussagen, dass sich hier intensiv um die Problemfelder der Haut gekümmert wird. Die Wörter „medizinisch“ und „dermatologisch“ suggerieren dies, da ihr Ursprung in der griechischen Sprache genau diesen Bereich beschreibt (Derma = Haut und Dermatologie = Teilgebiet der Medizin, in dem es um das Organ Haut und ihre Krankheiten geht).

Der Ausdruck „medizinische Kosmetik“ wird aber auch im Zusammenhang mit Vor-, Nach- und Begleitbehandlungen von medizinischen Behandlungen genutzt wie zum Beispiel bei Akne- oder Rosazea-PatientInnen.

 

Apparative Kosmetik: Kosmetische Behandlungen, die unterstützend kosmetische Apparate verwenden.                        

Dazu gehören:                                

  • das Bürstenschleifgerät
  • das Hochfrequenzgerät
  • Abrasionsgeräte
  • Ultraschallgeräte
  • aber auch Geräte mit Licht und Laser. Hier gilt es auf der Grundlage der NiSV die Anforderungen an die Qualifikationen von Personen im Hinblick auf die nichtionisierende Strahlungsquelle festzulegen.

 

Nichtionisierende Strahlung: Eine Strahlung, deren Energie nicht ausreicht, um Atome zu spalten.

4.   Neue gesetzliche Regelungen der NiSV (Stand: 2022)

Ab dem 31. Dezember 2020 dürfennur noch folgende Behandlungen von approbierten Ärzten durchgeführt werden:

 

  • Entfernung von Tattoos
  • Medizinisches Needling, alles tiefer als 1 mm (kosmetisches Needling darf nicht bluten)
  • Anwendungen mit optischer Strahlung, deren Auswirkungen nicht auf die Haut und ihre Anhangsgebilde beschränkt sind bspw. Behandlungen zur Fettreduktion mit Licht
  • Behandlungen zur Fettreduktion mit Kälte, Hochfrequenz oder Ultraschall
  • Anwendungen, bei denen die Integrität der Epidermis als Schutzbarriere verletzt wird

 

Was nur noch mit Fachkundenachweis durchgeführt werden darf:

 

  • Dauerhafte Haarentfernung mit IPL (Intense Pulsed Light)
  • Dauerhafte Haarentfernung mit Laser
  • Hautverjüngung mit Licht und Laser
  • Behandlungen mit Ultraschall
  • Radiofrequenz
  • EMS-Trainings
  • Andere Körperbehandlungen mit Hochfrequenzstrom
  • Andere Körperbehandlungen mit Niederfrequenzstrom
  • Andere Behandlungen der Haut und Hautanhangsgebilde mit Laser oder IPL

5.   Hautkrankheiten

 

Medizinisch zu behandeln:

  • Rosazea
  • Pusteln und Papeln durch Rosazea
  • Akne 
  • Herpes
  • Entzündungserscheinungen
  • Veränderte Pigmentierung
  • Schuppung der Haut durch Pilz
  • Neurodermitis
  • Psoriasis
  • Warzen
  • Präkanzerose

 

Anzeichen einer Entzündung:

  • rot
  • warm
  • angeschwollen
  • Schmerz
  • eingeschränkte Funktion

 

Kosmetisch zu behandeln:

  • Couperose
  • Diffuse Rötung
  • Pusteln und Papeln
  • Komedonen
  • Pflege der Akne-Haut
  • Hyperkeratosen
  • Feuchtigkeitsarme Haut

6.   Hauterkrankungen und kosmetische Problemfelder  

Im folgenden Kapitel werden einige Hauterkrankungen vorgestellt, die im Berufsfeld der KosmetikerInnen häufig vorkommen.

Verhaltensweise bei Hauteffloreszenzen     

Wenn die Haut Entzündungserscheinungen vorweist, ist grundsätzlich davon abzuraten, diese zu behandeln, da Entzündungen verschleppt werden können.

So kann eine Entzündung aufgrund einer aktiven Rosazea oder Akne auch in die Zahnwurzel oder in das Auge abwandern (Schmierinfektion).

Als KosmetikerIn ist es hier sehr wichtig dies zu erkennen und keine unnötigen Risiken einzugehen sowie fachgerecht zu handeln. Daher gilt es im Fall einer Entzündung immer: Die betroffene Person nicht selber behandeln und an einen Arzt verweisen.

Hauterkrankungen und kosmetische Problemfelder                               

Nachstehend sind einige Beispielbilder für Hautkrankheiten: